Die Kooperation zwischen Bayern und Québec

Dass zwei Regionen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und 6.000 km voneinander entfernt sind, beschlossen haben, so eng zusammen zu arbeiten, ist den vielen Gemeinsamkeiten zu verdanken:

  • Bayern und Québec legen speziell Wert auf die Bewahrung ihrer eigenen Kultur und Identität, die für die jeweiligen politischen Werte grundlegend sind
  • Bayern und Québec waren beide noch bis vor Kurzem relativ katholisch und ländlich geprägt, konnten inzwischen aber ihre ökonomische Infrastruktur soweit ausbauen, dass kleine und mittelständische Unternehmen zu High-Tech Standorten geworden sind
  • beide Regionen legen viel Wert auf die Entwicklung erneuerbarer Energien : Sonnen- und Windkraft in Bayern, Wasserkraft in Québec
  • die bayerische Bevölkerung und Kultur sind, ebenso wie die québécer, für ihre Warmherzigkeit und Gemütlichkeit weltweit bekannt

Die Vielseitigkeit der Kooperation nach über 25 Jahren zeugt für die enge Freundschaft, die sich mitterweile zwischen den zwei Verbündeten entfaltet hat. Ob zwischen gesellschaftlichen Institutionen wie dem Roten Kreuz in Bayern und Québec oder zwischen Studieneinrichtungen wie der HFF München und L'INIS aus Québec, ob technologischer Austausch und gemeinsame Forschungsprojekte in den unterschiedlichsten Industriesektoren, ob lebhafter politischer Kontakt und Austausch zwischen dem bayerischen Landtag und der Nationalversammlung Québecs: die bilateralen Beziehungen nehmen alle möglichen Formen an und lassen sich schwer zusammenfassen.

Eine vielseitige Zusammenarbeit über mehr als 25 Jahre

Politische Partnerschaft

1989, nachdem bereits einige Jahre unoffizielle Beziehungen bestanden, unterzeichneten Bayerns Ministerpräsident Max Streibl und Québecs Premierminister Robert Bourassa in München ein Kooperationsabkommen, das den Rahmen der bereits bestehenden Verbindung offiziell festlegte. Dieses Abkommen hatte zum Zweck, den Austausch der beiden Regionen in den Themenbereichen Handel, Wissenschaft, Technologie und Kultur zu fördern.

Die Partnerschaft entwickelte sich auf sehr dynamische Art und Weise, so dass bis heute über 600 gemeinsame Projekte erfolgreich ins Leben gerufen werden konnten. Der Erfolg der Bayern-Québec-Beziehungen ist vor allem dem gemeinsamen politischen Willen, sowie der Freundschaft und dem Vertrauen, die sich über die Jahre der Zusammenarbeit entwickeln konnten, zu verdanken.

Kooperationsprojekte werden während der bilateralen Treffen, die alle zwei Jahre und abwechselnd in einer der beiden Regionen stattfinden, beschlossen. Beide Regierungen unterstützen unter Einhaltung des Wechselseitigkeitsprinzips die gemeinsamen Initiativen mit finanziellen und logistischen Mitteln.

Wirtschaftliche Beziehungen

Bayern und Quebec haben ähnliche wirtschaftliche Interessen und Entwicklungen. Dank der effizienten Konzentration und Zusammenarbeit von mehreren Akteure in ihren Branchen, sind beide Regionen Hightech-Standorte von internationalem Ruf. Spezifische, branchenbezogene und staatlich geförderte Cluster bringen KMU's , multinationale Unternehmen, Forschungsinstitute, Technik- und Hochschulzentren, Ingenieurschulen und Berufsverbände zusammen, schaffen die Voraussetzungen für Synergien und bilden eine gemeinsame Betrachtungsweise zur Förderung von Wachstum und Innovation.

Die langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit in der wirtschaftlichen Entwicklung und im Technologietransfer zwischen Bayern und Quebec hat zu mehreren erfolgreichen Partnerschaften geführt die teilweise bis zu 10 Jahre umfassen: zwischen MTU und Pratt & Whitney, zwischen IABG und Bombardier, zwischen bavAIRia und AeroMontreal, zwischen LBC und CRIAQ - um nur einige zu nennen.

Technologische Fragen im Zusammenhang mit einer für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Entwicklung stehen ebenfalls im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Bayern und Québec: Umweltcluster Bayern und Écotech Québec streben gemeinsame Projekte im Bereich Green Tech an; Fraunhofer ISC Würzburg und IREQ arbeiten gemeinsam an der Verbesserung der Batterielaufzeit; Zentrum Digitalisierung.Bayern und IVADO knüpfen Kontakte in den Bereichen künstliche Intelligenz und große Datenmengen. Die audiovisuellen Nischen (Videospiele, Postproduktion, Spezialeffekte etc.) sind zudem vielversprechende Branchen für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen der Drehscheibe Montreal und der Talentplattform Bayern.

Kooperation in Forschung und technologischer Entwicklung

Die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR, Dr. Florence Gauzy), hilft Wissenschaftlern und Doktoranden bayerischer Bildungseinrichtungen und unterstützt diese bei der Forschungskooperation, die im Gegensatz zur individuellen Forschung auf Wechselseitigkeitsprinzipien beruht.

Das Programm beruht auf drei Säulen:

  • Vernetzung
  • Unterstützung während des Antragsverfahrens
  • Multilaterale Expansion

Das Programm der Forschungsallianz unterstützt Wissenschaftler außerdem auch logistisch und administrativ bei deren Bewerbungen bei Drittförderern (Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Europäische Union, internationale Programme).

Es sind große wie kleine Projekte willkommen und werden alle unabhängig von ihrer Disziplin bearbeitet. Die Teilnahme von Unternehmen ist immer wünschenswert. Bewerbungen können jederzeit eingereicht werden und werden in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet.

Kooperationsprojekte werden während der bilateralen Treffen, die alle zwei Jahre und abwechselnd in einer der beiden Regionen stattfinden, beschlossen. Beide Regierungen unterstützen unter Einhaltung des Wechselseitigkeitsprinzips die gemeinsamen Initiativen mit finanziellen und logistischen Mitteln.

Kooperation und Austauschmöglichkeiten für Studierende

Seit seiner Entstehung konnte die Kooperation Bayern-Québec einige Studierenden-Austauschprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten ins Leben rufen. Meistens  werden diese von Drittinstitutionen auf beiden Seiten verwaltet, die direkt in das lokale Bildungssystem eingebunden sind – seien es Universitäten oder dafür zuständige Austausch-Büros.

Programm für Fremdsprachenassistenten

Ein Teil der Kooperation zwischen dem Pädagogischer Austauschdienst und dem québécer Bildungsministeriums bietet letzteres Studierenden aus Québec, die gerne in Deutschland arbeiten möchten, ein Programm für Fremdsprachenassistenten an (für zweite oder dritte Fremdsprachen). Deutsche Schulen, die über das Programm gerne einen Fremdsprachenassistenten für Französisch an ihrer Schule empfangen möchten, bewerben sich bitte hier.

Deutsche Studierende können vom entsprechenden Programm-Pendant profitieren und Fremdsprachenassistenten in Québec werden.

Bayern-Québec Schüleraustauschprogramm

In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring bietet das Québécer Bildungsministerium Schülern aus den Klassen Secondaire 3 und 4 die Möglichkeit, an einem individuellen Schüleraustauschprogramm mit Gymnasiasten der 9. und 10. Klasse in Bayern teilzunehmen. Das Programm wird auf bayerischer Seite vom BJR, auf Québécer Seite vom Verein Éducation internationale (Échanges Azimut) getragen, und erstreckt sich über etwa 6 Monate. Lesen Sie hier mehr dazu.

Schüler aus Québec, die an diesem Austauschprogramm teilnehmen möchten, sollten sich mit Échanges Azimut in Verbindung setzen.

Stipendien der Premierminister

Das Québécer Ministerium für internationale Beziehungen vergibt jährlich 2 Stipendien des Premierministers Québec-Bavière, um die Beziehungen und den Bildungsaustausch zwischen bayerischen und québécer Universitäten zu unterstützen. Die Stipendien betragen je 5.000$ und werden für kurze Aufenthalte (4-12 Wochen) an québécer Student/innen vergeben, die nach Bayern zu Studien- oder Forschungszwecken im Rahmen ihrer Master- oder Doktorarbeit reisen wollen. Mehr Info erteilt die Website des Bildungsministeriums in Québec.

Umgekehrt wird auch jährlich 3 bis 5 Studenten aus Bayern zu demselben Zweck mit dem Stipendium des Ministerpräsidenten für Québec-Studien geholfen. Mit 1500 Euros je können Studenten somit ihren 4- bis 12-wöchigen Aufenthalt in Québec finanzieren, um dort ihre Abschlussarbeit über ein Québec-spezifisches Thema zu schreiben. Genauigkeiten sind bei Frau Dr. Sabine Schwarze, Romanisch Sprachwissenschaften an der Universität Augsburg, zu erhalten: Tel +49 (0) 821 598‐2740. Die Website des Instituts für Kanada Studien der Uni Augsburg listet übrigens weitere Fördermöglichkeiten für Studiengänge in Kanada.

Mobilitätshilfen für junge Erwerbstätige

Seit 2013 besteht ein Kooperationsabkommen zwischen der bayerischen Staatskanzlei und LOJIQ (Les offices jeunesse internationaux du Québec), das den Austausch junger Berufseinsteiger erleichtern soll. Durch dieses Abkommen wurde Bayern zu einer von LOGIQs Zielregionen, in der sich Québecer Studierende oder Berufseinsteiger auf Praktika oder auf finanzielle Unterstützung zur Vervollständigung eines beruflichen Projekts in Bayern bewerben können. Mehr dazu finden Sie hier.

Zusammenarbeit im Kulturbereich

Die Kooperation Bayern-Québec hat seit ihrer Gründung einige Austausch- und Förderprogramme ins Leben gerufen. Diese Programme werden meist von lokalen Kultureinrichtungen, bzw. von Dritteinrichtungen, die direkt in die Kulturlandschaft involviert sind, verwaltet. Darunter sind Projekte, die über Jahre hinweg bestanden oder immer noch bestehen -- Jeunes Ambassadeurs lyriques, Zusammenarbeit zwischen der HFF München und L'INIS --, andere wiederum sind einmalig.

Ob lang- oder kurzfristig: Kooperationsprojekte werden während der bilateralen Treffen beschlossen, die alle zwei Jahre abwechselnd in einer der beiden Regionen stattfinden. Beide Regierungen unterstützen unter Einhaltung des Wechselseitigkeitsprinzips die gemeinsamen Initiativen mit finanziellen und logistischen Mitteln.

Kooperationsprojekte zwischen Bayern und Québec

Bayern-Québec über die Jahre: Meilensteine der Kooperation

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