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König Ludwig – Pop-Ikone und Technik-Visionär

15.06.2011



Der bayerische Märchenkönig Ludwig II. starb vor genau 125 Jahren. Schloss Herrenchiemsee widmet sich im Gedenkjahr mit einer außergewöhnlichen Ausstellung der schillernden Persönlichkeit –dazu gehört auch sein Faible für technische Innovationen.

Nicht erst seit Neuschwanstein in Disneyland als Märchenschloss nachgebaut wurde, ist der Monarch aus der Dynastie der Wittelsbacher weltweit bekannt. Im Gedenkjahr lädt die Bayerische Landesausstellung 2011 unter dem Motto „Götterdämmerung“ in das von Ludwig II. geplante Schloss Herrenchiemsee. Eine außergewöhnliche Schau stellt den bayerischen König in verschiedenen Themenwelten vor. Wie in einer Operninszenierung präsentieren die Kuratoren die Schau in fünf Akten. Über allem schwebt das Verhältnis zwischen Mythos, Superstar und Mensch. Der Verstoß gegen Konventionen, der tiefe Sinn für Kunst und Musik und sein geheimnisvoller Tod im Starnberger See haben Ludwig II. längst zu einer Art Pop-Ikone gemacht.

So vergleicht die Ausstellung den ehemaligen bayerischen Herrscher mit Stars wie James Dean, Michael Jackson und Marilyn Monroe – sie alle seien tragische Helden der Moderne gewesen. Modern war Ludwig II. immer. Auch wenn der vierte bayerische König oft für seinen Hang zum Baustil des Mittelalters belächelt wurde. Als Pionier im Bereich der Elektronik und Chemie war der König seiner Zeit weit voraus. In seinen Schlössern ließ er Telefone installieren, um sich von einer Etage zur anderen mit den Bediensteten unterhalten zu können. Künstlich erschaffene Tropfsteinhöhlen wurden mit dem Licht aus elektrischer Beleuchtung geflutet. Solche Aufträge befeuerten die Innovationskraft. So führte die Suche nach dem künstlichen Blau für die Capri-Grotte in Schloss Linderhof den heutigen Weltkonzern BASF zum Patent für synthetisches Indigo. Auch bei der Batterietechnik war der bayerische König ein Vorreiter. Sein Prunkschlitten hatte Licht mit Batteriebetrieb – wohl das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug der Welt.

Der Richard-Wagner-Verehrer hat nicht nur die Musikakademie in München ins Leben gerufen, sondern mit der Gründung der Polytechnischen Schule im Jahr 1868 auch den Grundstein für die Technische Universität München gelegt. Im Jahr 1882 war er der Schirmherr der Internationalen „Electrizitäts-Ausstellung“ in München, in dessen Rahmen es eine Weltpremiere gab: Erstmals gelang es, Gleichstrom über eine lange Distanz zu übertragen. Ludwig II. war fasziniert von den Möglichkeiten der Elektrotechnik. Er drängte die Wissenschaftler, moderne Technologien für die Inszenierung der Opernwerke zu nutzen. So war das Residenztheater die erste Bühne Deutschlands mit elektronischen Lampen. Die Ausstellung in Herrenchiemsee erinnert aber auch an bizarre Innovationen, die bis heute nicht zur Anwendung kamen. So hatte Ludwig II. kurz vor seiner Einweisung in die Nervenheilanstalt offenbar Pläne, eine Seilbahn zu errichten, deren Gondel an einem Fesselballon hängt.

Bayerische Landesausstellung 2011:
Götterdämmerung König Ludwig II
Neues Schloss Herrenchiemsee