Head-Image

Aktuelles

Passo Tourismo, ein bayerisches Unternehmen, bietet Rundfahrten in den Alpen am Lenkrad von einem ihrer antiken Porsche-Autos. Pierre-Marc Durivage, ein Journaliste von La Presse, erzählt von seiner Erfahrung.

05.11.2012



Bilder von Passo Tourismo

(Auszüge aus einem Artikel von Pierre-Marc Durivage, erschienen in La Presse am 13. Oktober 2012)

MÜNCHEN – Einen Porsche durch die Alpen fahren. Die Art Projekt, die man unter der Kategorie „verrückte Ideen“ aufräumt. Erst ist einen Porsche zu mieten fast unvorstellbar, und wenn, dann gibt es alle möglichen Bedingungen. Und natürlich – je mehr man fährt, desto teurer wird es. Kurz: Für Jedermann ist es nicht.

Aber es gibt etwas Besseres, und Billigeres – man muss nur auf das Kleingedruckte aufpassen. Es involviert, einen alten Wagen zu fahren. (...) Nicht nur irgendeinen : Einen 911 Porsche classic, von der Zeit, wo die 6-Zylinder-Motoren noch luftgekühlt waren – mit diesem typischen, von jedem erkennbaren Geräusch.

Kurz: Passo Tourismo bietet, eine Legende durch die bayerischen Alpen, den österreichischen Tyrol oder die italienischen Dolomiten zu fahren. Mit Unterkunft und Verköstigung für 2 in Luxus-Hotels und –Restaurants. Für 2 Tage sind das etwa 769 Euro. „Unsere Kunden haben das Wesen unseres Angebots kapiert und wissen, dass sie dafür viel kriegen“, versichert Lars Eise, Vorsitzender des kleinen Münchener Unternehmens. (...) „Es ist eine Lebensphilosophie geworden, erklärt er. Anfangs dachten wir natürlich nicht daran, sonst wäre ich Guru geworden! Aber im Kontakt mit unseren Kunden sind wir daraufgekommen, dass sie viel mehr davon hielten als nur ein Fahrerlebnis. Es ist einfach der beste Weg, um vom Alltag abzuschalten.“ (...)

Porsche Passo Tourismo„Passo Tourismo verkauft Nostalgie, sieht er ein. Alles Globale, alles Beschleunigte ist das Gegenteil von dem, was wir tun. Bei uns gibt es kein BlackBerry- oder iPhone-checken: Sie werden hier 20 Jahre zurückgesetzt.“ Der Mann, der uns diese Bekenntnis macht, ist kein Porsche-Fanatiker Hippie aus den achtziger Jahren. Als junger Vierziger hat der 1m95 Große zuerst im internationalen Finanzbereich in New York, London und München gearbeitet, bevor er sich vollzeit mit Passo Tourismo beschäftigte. (...) Die Idee dazu kam durch das jährliche Organisieren einer Porsche-Freundesreise durch die Dolomiten, mehrere Jahre lang. 2009 legte er mit seiner Frau Amélie los und kaufte eine Flotte von Autos für die Vermietung.

Heute bezitzt er 6 Porsche classic aus den Achzigern und Anfang Neunzigern. Alle tadellos gepflegt. „Es ist eine gute Vorsichtsmaßnahme, unseren Kunden Autos in perfektem Zustand zur Verfügung zu stellen“, betont Amélie Eise. „Die sehen die Kondition der Wagen und wissen schon, dass wir sie mit all unserem Herzen pflegen“, fügt Franz Karl, zuständig für die Routen, hinzu.

Die Wagen wurden zwischen 25.000 und 30.000 US$ gekauft, oft in Kalifornien – wo sie in besserem Zustand sind – und es wird systematisch die Radaufhängung gewechselt, um ihnen eine sportlichere Identität zu geben, sowie um sie an die Alpenstraßen anzupassen. Die Bremsen werden auch erneuert, und die Motorleistung wird soweit es geht verbessert – „es ist beruhigend, über mehr Kraft zu verfügen, besonders wenn man überholen muss“, erklärt Lars. Die Katalysatoren werden auch durch effizientere und weniger restriktive Teile ersetzt. Als Resultat? Keine einzige Panne innerhalb von 3 Betriebsjahren.

Als Zukunftsprojekt hat das Unternehmen vor, die Flotte auf 10 Autos zu bringen, sowie vielleicht eine Niederlassung in einer Mittelmeerinsel zu öffnen.

(...) Passo Tourismo besteht auf Tradition: Hotels und Restaurants, die auf dem Programm stehen, gehören keiner Kette an und bieten alle Luxus- jedoch Lokal-Ambienten, sei es in Bayern oder in Tyrol. (...) Die von Passo Tourismo vorgeschlagenen Reisepläne sind einmalige Fahrterlebnisse. Natürlich des Wagens halber, dann auch wegen der sonst unbekannten oder unfindbaren Straßen. Aber auch wegen der touristischen Reize, die man in der Region findet: Nicht zuletzt das Schloß Neuschwanstein, von König Ludwig II. von Bayern gebaut. Franz Karl, ein gebürtiger Münchener und Porsche-Fanatiker, der das Land so gut wie seine Westentasche kennt, erstellt die Reisepläne – die man beliebig folgen kann, oder eben auch nicht, je nach Vorlieben: Museen, Schlösser, Kirchen, usw. „Wir können auch Maßgeschneiderte Routen vorschlagen, versichert Franz. Es hängt alles vom Geschmack unserer Kunden ab.“

Quelle: lapresse.ca