Erfolgsgeschichten

Horst A. Schmid – ein Münchner macht Karriere in Kanada


Horst A. Schmid
Horst A. Schmid - Bild IHK Magazin München

Artikel von Sabine Hölper, IHK Magazin München, 20. Juli 2010

Wäre Horst Schmid eine Romanfigur - Kritiker würden dem Autor vorwerfen, die Fantasie sei mit ihm durchgegangen, Wie soll ein Außenstehender auch begreifen, was Schmid in Kanada alles erlebt und erreicht hat? Selbst seine Mutter konnte manchmal kaum glauben, was Schmid ihr am Telefon über sein Leben in Kanada erzählt. "Du spinnst ja", hat sie Schmid einmal entgegnet. Erst als die Mutter einige Tage spater das "Unmögliche" in der Zeitung las, akzeptierte die Wahrheit: Horst Schmid war in der kanadlschen Provinz Alberta zum Kulturminister ernannt worden. Damit war der gebürtige Münchner der erste Einwanderer seit Ende des zweiten Weltkrieges, der es in das Kabinett einer kanadischen Regierung geschafft hatte.

Schmid war ja vorher selbst skeptisch. Wie sollte er als Deutscher die Stimmen der Kanadier gewinnen? Also entschloss sich Schmid, die Bürger zu befragen. "Wenn mir einhundert Menschen sagen, ich solle dahin zurückkehren, wo ich hergekommen bin, ziehe ich meine Kandidatur zurück", schwor sich Schmid – und lief von Haus zu Haus, um sich vorzustellen. An 5 746 Türen klopfte der Wahlkämpfer. Und nicht ein einziger Bürger schickte den Bayer weg.

Das war ein riesiger Erfolg, doch längst nicht der einzige in Schmids Leben. Einmal Fuß gefasst in der Politik, avancierte er in den folgenden Jahren zum Innenminister, zum Staatsminister für Wirtschaftliche Entwicklung und Internationalen Handel, zum Tourismusminister. In jedem dieser Ämter war er erfolgreich: Er baute Theater, stellte intemationale Hilfsprogramme auf die Beine, verankerte Denkmalschutz im Gesetz, führte einen Feiertag ein und war mit verantwortlich, dass die Olympischen Spiele 1988 in Calgary stattfanden. Er brachte auslandische Investoren nach Alberta und kurbelte den Tourismus an. Schrnid war derart aktiv und innovativ, dass er mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft wurde. Er erhielt - um nur einige zu nennen - den Bayerischen Verdienstorden, das große Bundesverdienstkreuz, wurde von der Universirat Alberta zum Ehrendoktor ernannt, bekam einen Platz in "The Albertans". In der Schrift werden ,,100 Menschen, die die Provinz Alberta verandert haben" gewürdigt.

Es war nicht Schmids Ziel, in die Politik zu gehen, als er 1952, gerade einmal 19 Jahre jung und ohne ein Wort Englisch zu sprechen, nach Kanada auswanderte und sich als Bergarbeiter in Yelloknife verdingte. Schmids Passion war die. Musik, sein Wunsch war es, in die Wirtschaft zu gehen. Und er tat nichts weiter, als diese Leidenschaften ZU verfolgen: Nachdem er passabel Englisch sprechen konnte, moderierte der Wahlkanadier eine Radiosendung, spielte Theater, belegte Kurse in Betriebswirtschaft und Finanzwesen, verkaufte Versicherungen, importierte tragbare Radio-Geräte aus Deutschland, wurde schließlich Chef und Anteilseigner einer Exportfirma und eröffnete einen albertanischen Ableger des Münchner "Hofbräuhaus".

Es gibt Fotos, die zeigen Schmid schuhplattelnd in Lederhosen. Und dann gibt es Fotos, auf denen Schmid den Kopfschmuck des "Fliegenden Adler" trägt. Der Münchner wurde wegen seines unermüdlichen Einsatzes für den Stamm der Cree-Indianer zu ihrem Ehrenhauptling erkoren. Schmid ist in vielen Kulturen zu Hause. Auf die Frage, wo seine Heimat sei, antwortet er in schönstem Bayerisch-Englisch: "Dahoam is dahoam, and home is here." Schmid liebt Kanada und Schmid liebt Bayern. Und er hat es verstanden, beide Welten auf wunderbar schelmische Weise zusammenzuführen.

Als er sich gemeinsam rnit seinem Freund John Whalley (wer als kanadischer Vertreter an den Friedensverhandlungen zwischen Nord und Südkorea beteiligt war) daran machte, ein Wappen für Alberta zu entwerfen, setzte Schmid durch, dass neben dem kanadischen Pronghorn (eine Art Antilope) auch der bayerische Löwe verewigt wurde. Der 74-Jährige könnte sich zur Ruhe setzen und mit dem Wohmnobil durch die Rocky Mountains kurven. Doch Schmid winkt energisch ab, er hat noch alle Hände voll zu tun. Er leitet seine 1995 gegrundete Firma "Flying Eagle Resources", ist außerdem im Vorstand der "Calstar Oil & Gas" sowie der '"Deep Well Oil & Gas".

Sabine Hölper
IHK Magazin Muenchen
20. Juli 2010