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Erfolgsgeschichten



Drei Fragen an Jens Korndoerfer, bayerischer Organist in Montréal


Jens Korndoerfer, CIOCM 2011
Jens Korndoerfer beim Internationalen Orgewettbewerb Montreal 2011 - © Bonnie Nichol

Der bayerische Organist Jens Korndoerfer, der zurzeit an der Montréaler Universität McGill Schulich School of Music promoviert, errang im Oktober 2011 am Montréaler Internationalen Orgelwettbewerb den 2. Platz und den Franz-Liszt-Preis.

Bereits 2008 erwarb Herr Korndoerfer den 3. Platz bei demselben Wettbewerb, welcher jedes 3. Jahr in Montréal abgehalten wird und 16 Organisten unter 35 Jahren  an manchen der besten Orgeln musikalisch um die Wette „kämpfen“ lässt. Die internationale Jury vergibt mehrere Preise, u.a.  eine Serie von Solokonzerten, einen Karriere-Managements-Vertrag, eine CD-Aufnahme  unter dem ATMA Classic Label, sowie grosszügige Stipendien.

Drei Fragen an Jens Korndoerfer:

Was bedeutet die Teilnahme und der Preis beim CIOCM für einen Organist? Wie bereitet man sich auf so etwas vor?

Der direkte Vergleich mit gleichaltrigen Kollegen und die Bewertung durch die Jury spornt einen zum einen zu Höchstleistungen an, zum anderen erhöht ein Preis in einem großen internationalen Wettbewerb wie dem CIOC den eigenen Bekanntheitsgrad und hilft der Karriere. Wie im Sport beginnt die Vorbereitung auf so ein Ereigniss lange vor dem eigentlichen Wettbewerb: zunächst mit dem Aussuchen des Repertoires (vor circa einem Jahr), dann natürlich dem Üben und schliesslich - in den letzten Monaten vor dem Wettbewerb - Konzerten in denen man die Stücke schon in einer „Stresssituation“ spielt; direkt vor und während des Wettbewerb habe ich dann relativ wenig Zeit am Instrument verbracht und mich stattdessen hauptsächlich mental auf die drei Wertungsrunden eingestellt.

Gibt es einen Unterschied zwischen der nordamerikanischen und der europäischen Orgelwelt?

In Amerika gibt es mit der American Guild of Organists (AGO) eine große, schlagkräftige Organisation (fast 20.000 Mitglieder!) in der sich die Organisten zusammengeschlossen haben. Dieser Verband stellt nicht nur eine Plattform für Austausch untereinander dar sondern betreibt auch intensive Lobbyarbeit und vertritt die Interessen der Organisten - vergleichbare Vereinigungen gibt es in dieser Größe in Europa leider nicht. Historisch gesehen beginnt die Geschichte der Orgel in Europa bereits im Mittelalter, in Nordamerika dagegen natürlich erst sehr viel später. Trotzdem haben sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele bedeutende Ereignisse im Orgelbau fast zeitgleich auf beiden Seiten des Atlantiks zugetragen, wie z.B. die Entwicklung der Fabrikorgel Ende des 19. Jhd. (die z.T. gigantische Ausmaße annahm, wie bei der nach wie vor größten Orgel der Welt im Wanamaker Store in Philadelphia mit 28.500 Pfeifen, die 1930 fertig gestellt wurde), oder die Renaissance der Barockorgel und der damit verbundenen Ästhetik in der ersten Hälfte des 20. Jhd..

Wie sieht Ihre nächste Zukunft aus?

Innerhalb des nächsten Jahres [2012] werde ich meine Promotion an der McGill University abschliessen, daher bin ich im Moment bereits auf der Suche nach einer Stelle – mein Ziel ist eine Professur für Orgel an einer Musikhochschule in Deutschland oder Nordamerika. Im nächsten Jahr habe ich daneben noch Konzerte (u.a. in Deutschland, Frankreich, Norwegen und Kanada), Vorträge und Meisterkurse (an der Hochschule in Bayreuth und auf der National Convention der AGO in Nashville, TN) geplant, außerdem organisiere ich für amerikanische Organisten eine Studienreise durch Süddeutschland.

Mehr über Jens Korndoerfer: www.youtube.com/JensKorndoerfer

 

Addendum, 2012:

Am Ende seines Ph.D.Studiums an der McGill University in Montréal trat Jens Korndoerfer im August 2012 eine Stelle als Organist an der First Presbyterian Church in Atlanta, GA, an. First Presbyterian liegt im Art Center der Metropole Atlanta, direkt neben dem Konzertsaal des Atlanta Symphony Orchestras und verfügt über zwei Orgeln (Möller/Zimmer, IV/105 und Klop, II/15), Cembalo und zahlreiche Steinways, eine eigene Konzertreihe und Musikschule, und neben dem Organisten auch noch einen hauptberuflichen Chorleiter.