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Erfolgsgeschichten



Kanadische Eishockeytalente in Bayern


ERC Ingolstadt - courtoisie
ERC Ingolstadt - courtoisie

Der kanadische Nationalsport ist zwar in Bayern bei weitem nicht so populär wie Fussball, dennoch holen sich bayerische Hockeyteams regelmässig Unterstützung aus dem Ausland. So spielen mehrere kanadische Hockeyprofis im ERC Ingolstadt unter Führung des ebenso kanadischen Trainers Rick Nasheim (SK) mit: Craig Weller (AB), Derek Hahn (ON), Tyler Bouck (AB), Jean-François Boucher (QC) et Michel Périard (QC).

Letztere verrieten kurz vor Weihnachten der Bayerischen Vetretung in Montréal, was sie an ihrer Wahlheimat besonders schätzen, was sie an Québec vermissen und warum Bayern und Québecer nicht nur das Bier verbindet.

**Jean-François Boucher, photo eishockeynews.de

Jean-Francois Boucher (Bild rechts, Quelle eishockeynews.de), dem Sohn des ehemaligen Profi-Eisschnellläufers Gaétan Boucher, fehlt vor allem die Familie. „Es ist immer hart hinter sich zu lassen, was man liebt.“ „C’est la vie“ meint aber dazu sein Teamkollege Michel Périard.

Umso mehr schätzen beide Brauchtum und Tradition in Bayern sowie die damit einhergehenden Feste. Périard fällt hierbei die bayerische Mentalität auf: „Wenn man arbeitet, dann arbeitet man richtig… und wenn man feiert, dann feiert man richtig!“ So fühle er sich auch schon „ein bisschen“ bayerisch – schließlich lebt er seit 2005 die meiste Zeit des Jahres in Deutschland, spielte zunächst 4 Jahre lang bei den Nürnberger Ice Tigers, dann in Frankfurt und Mannheim, bevor er sich dem ERC Ingolstadt anschloss. Beide tun sich allerdings ein wenig schwer mit der deutschen Sprache. Périard meint, er schlage sich so durch, für Jean-Francois Boucher gehört ein gepflegtes „Mahlzeit“ vor dem Mittagessen mittlerweile auch zum guten Ton.

Zwar ist die Eisfläche in Europa größer als zu Hause in Amerika, und Körperseinsatz, z.B. Bodychecks, werden schneller und härter bestraft – was Jean-Francois Boucher nicht gerade entgegenkommt, der sein Spiel als „sehr körperbetont“ bezeichnet – ; die Stimmung gefällt beiden jedoch ausgesprochen gut. „Besonders bei Spielen innerhalb Bayerns begleiten uns unsere Fans überall hin und unterstützen uns lautstark“ lobt J.-F. Boucher den Ingolstädter Anhang. Beeindruckend findet er auch, dass jede Fangemeinde ihre eigenen Lieder und Choreographien habe – kein Vergleich zu Amerika, wo die Stimmung doch eher „korporativ“, also von Vereinen als Unternehmen geprägt sei.

Michel Périard, photo ERC IngolstadtAuf die Frage, was Bayern und Québecer gemeinsam hätten erwidert Michel Périard (Bild rechts, Quelle ERC Ingolstadt) sofort: „Bier!“  Beide sind stolz auf die Qualität ihres Gerstensafts und auf ihre jeweilige Bierkultur, in der auch kleine Brauereien bestehen könnten. Jean-Francois Boucher denkt bei Gemeinsamkeiten zwischen Bayern und Québecern vor allem an ihren gewissen Eigensinn, da sie sich in Sprache und Kultur doch deutlich von den anderen Regionen ihres jeweiligen Bundesstaates unterschieden.  „Die Bayern sind eines der stolzesten Völker, das ich je gesehen habe.“

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Dank an Bernhard Enzinger, ERC Ingolstadt