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Wussten Sie dass...



Bis heute: Napoleon hat Kultur und Verwaltung Bayerns stark beeinflusst



Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard, von Jacques Louis David | Château de Malmaison

Das Bündnis mit dem Kaiser der Franzosen brachte Bayern 1806 die Königskrone - durch die Hochzeit der Tochter von König Maximilian I. mit dem Stiefsohn Napoleons - aber auch ein vergrößertes Territorium, das bis heute Bestand hat, und die erste liberale Verfassung.

So gilt Maximilian I. als der Schöpfer des modernen bayerischen Staates: Es wurde eine effiziente Staatsverwaltung für das vergrößerte Bayern eingeführt, indem das Land in acht Verwaltungskreise eingeteilt und durch ein neu geschaffenes Beamtenwesen verwaltet wurde. Zudem führte man die allgemeine Schulpflicht ein, vereinheitlichte Maße, Gewichte und Währung, schuf durch die Abschaffung der Binnenzölle einen einheitlichen Wirtschaftsraum und verabschiedete 1808 sogar die erste bayerische Verfassung, nach dem französischen Wort Konstitution genannt.

Zu Napoleons Zeit war der französische Einfluss auf Bayern so stark, dass selbst heute noch Spuren davon in der bayerischen Sprache zu finden sind. Französisch galt als die Modesprache schlechthin, so dass jeder, der etwas von sich hielt, en français parlierte.

Noch heute findet man Begriffe wie Parapluie (Regenschirm), Visasch (von visage: Gesicht), Spektakel (von spectacle: Schauspiel, Lärm) und lescher (von legère: locker, ungezwungen). Das Dienstpersonal hat es immer pressant (eilig), und in der Schenke vis-à-vis (gegenüber) bekommt man Bier. Das Böfflamott, eine Art Sauerbraten, das als urbayerisches Gericht gilt, geht aber auf das französische bœuf à la mode (Rindfleisch nach der Mode) zurück. Selbst das bairische Flücherl Sakradi! hat seinen Ursprung im Französischen (von sacre dieu; Fluch den Göttern), ähnlich wie das heute noch sehr populäre Dankeswort merce (merci). Gängige Verben französischen Ursprungs findet man auch: schikanieren (von chicaner; ärgern), blamieren (von blamer; tadeln, bloßstellen) und tratzen (von tracasser; necken, quälen). Ein Gendarm (von gendarme) kann einen auf der Allee zu schnell fahrenden Chauffeur anhalten, oder den Fußgänger darauf hinweisen, dass er auf dem Trottoir (Gehsteig) zu gehen hat...

Manche Wörter haben aber auch mit der Zeit einen neuen, eigenen Sinn erhalten. So heisst das Wort Kuvert im Deutschen Briefumschlag - auf Französisch aber entweder Essbesteck, oder schattiges Plätzchen, oder gar ein Obdach. Und eine Bagasch (von bagage: Gepäck) ist heute kein Koffer mehr, sondern eine Gruppe zwielichtiger Gestalten.

Mehr: Bayerische Landesausstellung, Sommer 2015: www.hdbg.de/napoleon/
Quelle :
www.sueddeutsche.de