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Die Fuggerei - die weltälteste Sozialsiedlung noch in Betrieb, mitten in Augsburg



Jakob Fugger, Industrieller, Mäzen und Gründer des nach ihm benannten Stadtteil Augsburgs. Quelle www.fugger.de

Jakob Fugger „Der Reiche“ (1459 – 1525), hier in einem Porträrt von Albrecht Dürer, war das bekannteste Mitglied der Dynastie Fugger, welche in und um Augsburg lebte. Diese war so wohlhabend, dass sie in der Lage war, selbst Königen und Päpsten Geld zu leihen.  Sie werden oft als Nachfolger des De Medici Klans gesehen, zumindest in Hinblick auf ihren Einfluss auf das politische, sowie wirtschaftliche Geschehen und der Vielfalt ihrer Kunstsammlung.

Bei einem Spaziergang in Augsburg findet man überall Gebäude und Hinterlassenschaften, die an die Fugger Familie erinnern: Kirchen, Kapellen, Wappen und Statuen. Letztere sollen das Gedenken an die großen Leistungen, die der Klan während der Renaissance für die Stadt vollbrachte und aufgrund derer sie die Bezeichnung als „nördlichste Stadt Italiens“ erhielt, aufrechterhalten.

Eben jenem Jakob Fugger, welcher zwar verheiratet war, jedoch kinderlos blieb, war es möglich, mit Hilfe seiner Tätigkeiten als Unternehmer, Industrieller, Bankkaufmann, Land- und Waldbesitzer einen beachtlichen Reichtum anzuhäufen. Einen Teil seines Vermögens investierte er in den Bau von Armenhäusern, die heute sogenannten Sozialsiedlungen, die er mitten in das Zentrum der Stadt und umgeben von Mauern bauen ließ.  So kam der Stadtteil, bestehend aus 67 Häusern aneinandergereiht in 8 schmalen Gassen, zu seinem Namen die „Fuggerei“. Hier ist noch immer Platz für 150 bedürftige katholische  Familien für welche die jährliche Miete heute noch weniger als 1 Euro beträgt. Als Gegenleistung muss dreimal am Tag für die Seele des Wohltäters und seiner Dynastie gebetet werden, und in der Nacht bleiben die Aus- und Eingänge versperrt, genauso wie es schon vor 500 Jahren gefordert wurde.

Häuser in der Fuggerei in Augsburg. Quelle www.fugger.de

Häuser in der Fuggerei in Augsburg. Quelle www.fugger.de

 

Die zweistöckigen Häuser bieten separate Eingänge für jede der 45 bis 65 m2 großen Wohnungen.   Während die Erdgeschoss-Wohnung Zugang zu einem kleinen Garten hat, kann sich die im Obergeschoss liegende vom Dachboden Gebrauch machen. Aufgrund der früher fehlenden Straßenbeleuchtung hat die Glocke jeder Tür sogar ihre ganz eigene Form. So konnte auch in völliger Dunkelheit erkannt werden, vor welchem Haus man stand. 

Obwohl die „Fuggerei“ und die den Gründern zu Ehren errichteten Monumente während der amerikanischen Bombardierung im Februar 1944 schwer zerstört wurden, konnten sie dank der originalgetreuen Restaurierungen bis heute ganz im Sinne Jakob Fuggers weiter genutzt werden. Neu sind nur die modernen technischen Ausstattungen und das Museum, was sich in einem der Erdgeschosse befindet. Den Besuchern ist es somit möglich, einen Eindruck vom heutigen aber auch früheren Leben in diesem weltweit einzigartigen Stadtteil zu bekommen.  

Mehr erfahren: www.fugger.de