Wirtschaft

Kanada ist einer der Gründerstaaten der G8 und belegt Platz neun im Human Development Index der UN von 2014. Durch sein stabiles Bankensystem, eine umfangreiche Wirtschaft, seine natürlichen Ressourcen und seine ausgeglichene Haushaltspolitik erfreut sich Kanada eines positiven Auskommens (mehr als +1,9% im Jahr 2017).

Der wichtigste Handelspartner Kanadas sind die USA, die 75% der kanadischen Exporte erhalten. Durch CETA, das Freihandelsabkommen zwischen Kanada und der EU, das 2016 unterzeichnet wurde, gewinnt der europäische Markt immer mehr an Gewicht innerhalb der kanadischen Exportbilanz. Deutschland steht an fünfter Stelle der Handelspartner Kanadas.

Kanada zeichnet vor allem auch sein Reichtum an natürlichen Ressourcen aus – Kanada ist eines der fünf führenden Ländern weltweit, was den Abbau von Kalisalz, Uran, Aluminium, Titan, Schwefel, Nickel, Diamanten und Platin angeht. Außerdem besitzt Kanada das drittgrößte Ölvorkommen weltweit, welches auf 170 Billionen Barrel geschätzt wird. Die stärksten Wirtschaftssektoren sind Energieproduktion, Landwirtschaft, natürliche Ressourcen und Industrie. Kanada stellt den drittgrößten Naturgas-Produzenten der Welt dar.

Geschäftsbeziehungen und -chancen

Kanada und Bayern teilen eine lange Geschichte wirtschaftlicher Beziehungen mit beachtlicher Handelsbilanz.
2014 betrugen die bayerischen Exporte nach Kanada 1,5 Billionen EUR; 2015 waren es bereits 1,69 Billionen EUR, was einen Anstieg von 7,1% bedeutet. Etwa 15% der deutschen Exporte kommen aus Bayern, das damit einen starken Handelspartner innerhalb Europas für Kanada darstellt. Der Import kanadischer Produkte nach Deutschland betrug im Jahr 2014 389 Millionen Euro und blieb auch 2015 stabil.
Bayerische Unternehmen dürften von den Chancen profitieren, die sich durch die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens CETA zwischen der EU und Kanada ergeben – schließlich ist darin der Wegfall von 99% aller Zollgrenzen und vieler nichttarifärer Handelshemmnisse vorgesehen.

Kanadas Schwerpunktsektoren

Luft- und Raumfahrtindustrie (Schwerpunkt in Québec)

Québec ist führend in Sachen Luft- und Raumfahrtindustrie, weshalb sich einige der größten internationalen Firmen - wie etwa Bell Helicopter Textron, Bombardier Aerospace, CAE, Pratt & Whitney Canada und viele weitere - vor Ort befinden. Die Provinz unterhält allein 50% der Luft- und Raumfahrtproduktion Gesamtkanadas. Montréal ist dabei eine der drei weltweit größten Luftfahrtzentren neben Seattle und Toulouse. Die Luft- und Raumfahrtindustrie Québecs beschäftigt knapp 40.000 Personen mit bester Ausbildung in zahlreichen Berufsgruppen, wozu etwa Ingenieure, Techniker und spezialisierte Arbeiter gehören. Die Universitäten, technischen Fachhochschulen und Handelsschulen Québecs bieten Ausbildungsprogramme, die mit den Anforderungen der Industrie fusionieren und damit etwa 4.800 Fachkräfte jährlich ausbilden. Etwa 205 Unternehmen, Forschungszentren und Verbände der Luft- und Raumfahrt bieten unterschiedlichste Geschäfts- und Kooperationsmöglichkeiten.

Multimedia & Gaming (Schwerpunkt in Québec)

Québecs Multimedia und Virtual Reality Industrie erfährt jährlich Zuwachs und verhilft beiden Branchen zu führenden Standorten in der Provinz. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Videospiel-Industrie hat sich seit 2002 verzehnfacht. Mehr als 10.000 Menschen steuern heute ihr Talent zur Videospiel-Industrie Québecs bei. Einige entsprechende Studios in Montréal haben sich auf Post-Produktion und technische Dienstleistungen spezialisiert, wie etwa Autodesk, Cinesite, Digital Dimension, Framestore, Moving Picture Company, Rodeo FX und Vision globale. Jährlich schließen mehr als 6.100 Studierende aus allen erdenklichen Fachrichtungen der Industrie ihre Multimediastudiengänge ab.  Québec ist eine der wenigen Orte weltweit, an dem der Multimedia-Industrie großzügige Steuererleichterungen angeboten werden –  Summen von bis zu 37,5% der Arbeitskosten können so eingespart werden.

Elektromobilität (Schwerpunkt in Québec)

Hochmoderne Spitzenzentren wie IREQ oder IVI führen die Forschung zu Elektro-Fahrzeugen und modernster Verkehrsinfrastruktur der Region an. Hydro-Québec, eine Regierungskooperation, die für die Produktion, den Transport und die Verteilung von Elektrizität in der Region zuständig ist, entwickelt außerdem die Elektromobilität weiter und setzt dabei auf saubere, erneuerbare Energien, ein verlässliches Stromnetz, anerkannte Experten und vielversprechende Technologien. Mithilfe des beeindruckenden Wasserkraft-Systems (mehr als 97% der in Québec produzierten Energie stammt aus erneuerbaren Quellen, fast vollständig aus Wasserkraft) stellt Québec den idealen Standort für Forschung und Tests zur Umstellung auf elektronische Transportmittel dar. Montréal wird bis Ende 2020 ein eigenes vollautomatisches, integriertes elektronisches Stadtbahnsystem besitzen, was eine Investition von geschätzten  5,5 Billionen CAD bedeutet und während der Bauphase jährlich etwa 7.500 Arbeitsplätze, und ab Inbetriebnahme auf lange Sicht außerdem  1.000 feste Arbeitsplätze verspricht. Das Metropolbahnnetz "REM" wäre nach Fertigstellung aktuell das drittgrößte automatisierte Personenbeförderungssystem der Welt.

Automobilindustrie (Schwerpunkt in Ontario)

Ontarios Automobilsektor erstreckt sich von Windsor bis Oshawa. Mehr als 700 Automobilteilproduzenten sowie mehr als 500 Werkzeug- und Formenbau Hersteller profitieren von der Infrastruktur, dem geschickten Handel, den hochqualifizierten Arbeitskräften, dem strategischen Zugang zum nordamerikanischen Markt und einem dynamischen Umfeld für Forschung und Entwicklung innerhalb einer Kultur von Produktion auf hohem Qualitätsniveau. Chrysler, Ford, GM, Honda und Toyota unterhalten 12 Niederlassungen in Ontario, was die Provinz auch zur einzigen Provinz und sogar zum einzigen Staat in Nord-Amerika macht, das fünf Erstausrüster (OEMs) beheimatet. Mithilfe von 104.000 Automobilarbeitern stellt Ontario in den frühen 201er Jahren 15% der Leichtfahrzeugproduktion. Ontario beherbergt neun führende Universitäten mit mehr als 24 auf Automobil fokussierten Forschungsprogrammen. Zwischen Detroit und Ottawa liegen 800 km voller Fachkenntnis zum Thema der Technologie für Connected Cars bzw. Car-to-Car Communication,  autonomes Fahren, künstliche Intelligenz, Netzwerkfähigkeit, Netzsicherheit und Quantencomputer. Insgesamt bringen mehr als 170 Unternehmen in Ontario Autos bei, zu denken.

Informations- und Kommunikationstechnologie (Schwerpunkt in Ontario)

Ontarios IT-Industrie sitzt in den drei großen Zentren Kanadas: Ottawa, Toronto und Waterloo. Der Sektor beschäftigt etwa 280.700 Arbeitskräfte, wovon 80% in Besitz eines Hochschulabschlusses sind. An 44 Hochschulen, die über 200 mit der Industrie kooperierende Studiengänge im Bereich der IT anbieten, erhalten etwa 40.000 talentierte Studierende jährlich ihren Abschluss. Der Ingenieursstudiengang der Universität von Waterloo bringt nach dem MIT die meisten Spitzen-Ingenieure in Nord Amerika hervor. Das Regierungsprogramm zur Steuer auf Forschung und Entwicklung halt großzügige Innovationsanreize bereit. Ontario ist führend in den Branchen Big Data und Cloud Computing, in Sachen Datenzentren, Mikroelektronik, Digitale Medien, Sicherheitsverschlüsselung, mobile Computerspiele, mobile Zahlungsmethoden, kabellose Technik sowie im Telefonie- und Netzwerk-Bereich. Sieben der zehn größten Technikunternehmen tragen zu Forschung und Entwicklung in Ontario bei. Große Unternehmen wie Cisco, IBM und Xerox haben dort bedeutende Forschungszentren.

Energiegewinnung (Schwerpunkt Alberta)

Alberta ist der Energieproduzent Kanadas: 25% des regionalen BIP verdanken sich der Energieproduktion. Man schätzt Albertas Petroleum-Vorkommen nach Saudi Arabien und Venezuela als das drittgrößte weltweit ein. Alberta besitzt vier Ethangewinnungswerke, wovon zwei zu den größten weltweit gehören. Die Öl- und Gas-Technologien der Region  konzentrieren sich vor allem auf Ausstattung und Services zur Rohstoffgewinnung, wie etwa fortgeschrittene seismische Technologien und innovative Pumptechniken, multilaterales, nicht-invasives oder horizontale Bohrungen. Alberta ist außerdem eine der kanadischen Provinzen, die aktuell am meisten Gelder in erneuerbare Energien investiert, mit dem Ziel, die Arten der Energieversorgung zu diversifizieren und Energiegewinnung aus Kohle ganz zu vermeiden. Die Besteuerung ist in Alberta eine der höchsten innerhalb Nordamerikas: Die Kombination aus Bundes- und Provinz-Steuer ergibt 27%. Universitäten, Forschungseinrichtungen und Kooperationen von Weltklasse werden durch Campus Alberta und Alberta Innovates möglich. Arbeitskräfte aus aller Welt tragen dazu bei - nahezu jeder fünfte Einwohner Albertas wurde außerhalb Kanadas geboren, was Alberta zu einer der Regionen mit der größten Nationen- und Kultur-Vielfalt des Landes macht.

Rohstoffabbau (Schwerpunkt Saskatchewan)

Die Provinz beheimatet beinahe die Hälfte des gesamtkanadischen Ackerlandes und ist das Erntezentrum des Landes. Saskatchewan ist zudem weltweit wegen seiner reichhaltigen Mineral- und Energieressourcen bekannt. Die Region besitzt das größte Uran-Vorkommen, das momentan ein Fünftel der weltweiten Produktion bedient; sie hat die weltgrößte Kali-Industrie, basierend auf der Hälfte der global existenten Kali-Reserven und eine der größten diamanthaltigen Kimberlit-Minen, die großzügigen Abbau und Bohrungen nach Diamanten ermöglichen. Innovative Handwerksbetriebe mit bestgeschulten, jungen Arbeitskräften aus aller Welt arbeiten gemeinsam daran, marktführende Technologien für langlebiges und ferngesteuertes Minen- und Untertage-Equipment zu entwickeln. Der Stromerzeuger der Provinz, SaskPower, unterhält einer der weltweit größten Kohleauffang- und Kohlelager-Projekte und zeigt damit als eines der ersten Unternehmen, wie man Kohlendioxid in einer Stromgewinnungsanlage für Großunternehmen, die auf Kohleverbrennung basiert, abfängt, bevor es in die Atmosphäre gerät.

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